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Versetzungsgefährdet - Der blaue Brief

Hey meine Lieben,

ja - hier wars wieder ruhig. Manchmal ist das eben so ;-) Aber heute habe ich wieder das Bedürfnis, zu bloggen. Und zwar über ein Thema, dass sehr oft negativ behaftet ist: Die gefährdete Versetzung.

Am Freitag hatten wir einen Brief von der Schule unserer Tochter im Briefkasten. In schönem amtsdeutsch steht dort, dass unsere Tochter gleich in drei Fächern versetzungsfährdet ist. Nun kann man direkt in Panik ausbrechen, stinksauer sein und rumwüten. Oder einfach mal durchatmen, einen guten Zeitpunkt zum ansprechen abwarten und den Papa kontaktieren, bei dem sie ja wohnt. Ja, der wusste Bescheid, er hatte den Brief auch bekommen.






Glücklicherweise waren wir uns schnell einig: Alles halb so wild!

Ersteinmal sind es keine Hauptfächer, das macht ja immer schon viel aus, finde ich. Und wir kennen unsere Tochter: Natürlich sind derzeit Freunde & Freizeit wichtiger als Schule. Mit 13 ist das auch ein Stück weit normal. Uns war und ist es wichtig, dass die Kinder nicht das Gefühl bekommen, sie wären "weniger wert", nur weil die Noten mal nicht so ganz passen. Unsere Tochter ist jetzt zum ersten Mal versetzungsgefährdet, in Fächern, die sie auch erst in diesem Schuljahr dazu bekommen hat. Eins davon ist mal so gar nicht ihr Ding, die beiden anderen - nunja, empfindet sie als eher lästig.

Nichtsdestotrotz haben wir ihr sinngemäß vermittelt: Es ist doof, dass die Noten jetzt so schlecht sind. Aber davon geht die Welt nicht unter und wir helfen Dir, die Noten zu verbessern. Sie brach weder in Tränen aus, noch hatte sie Angst. Weder Angst vor uns noch Angst vor der Schule.

Und das ist ein Punkt, den ich als extrem wichtig empfinde: Wenn ich als Kind (oder Jugendliche*r) ANGST habe vor der Reaktion der Eltern oder Angst vor Lehrern, dann habe ich eigentlich kaum eine Möglichkeit, schlechte Noten zu verbessern oder an der Situation etwas zu ändern.

Diese Angst kenne ich leider nur zu gut. Auch ich bekam einen "blauen Brief". Ich war 14 Jahre alt und in der 9. Klasse (allerdings Gymnasium). Mein Mathelehrer HASSTE mich, in JEDER Mathestunde musste ich nach vorn an die Tafel, in fast jeder Pause zu ihm ins Büro. Es war grauenhaft! Meinen Eltern konnte ich das nicht erzählen, weil Lehrer eh immer recht haben!

Die Folge war, dass ich in vielen Fächern stark absackte, keine Lust mehr auf Schule hatte und auf Lernen gleich gar nicht. War je eh egal, ich hatte es eben nicht drauf. Das Ganze gipfelte dann darin, dass ich von zuhause weglief. Was sollte ich auch zuhause, wo mir eh niemand glaubte und mir nur ein Riesenärger bevorstand? Da konnte ich genauso gut weg sein.

Zwar fuhr ich "nur" in die nächstgrößere Stadt, aber ich war erstmal WEG! Natürlich war der ganze Plan eher nicht vorausschauend, denn ich hatte keine Ahnung, wo ich übernachten sollte. Somit fuhr ich wieder nach Hause. In der Zwischenzeit (war ja schon abends und für meine Mutter war klar, ich bin weggelaufen) war die Polizei eingeschaltet und meine Personenbeschreibung an Taxi-, Bus- und Straßenbahnfahrer raus. Ich kam also aus dem Bahnhof und wurde direkt erkannt und nach Hause verfrachtet. Ich wechselte dann übrigens auf die Realschule, wo ich sämtlichen Stoff aus dem Gymnasium mit Leichtigkeit beherrschte - der Druck war einfach weg.

Natürlich gab es trotzdem Ärger. Aber rückblickend war ich fast nie wieder so verzweifelt wie damals. Und genau das wollte ich - bzw. wollten wir unserer Tochter ersparen. Es wird sich schon wieder einrenken. Und selbst wenn sie doch ein Jahr wiederholt - dann ist das eben so. Deswegen wird sie von uns nicht weniger geliebt.

Mich interessiert natürlich, wie ihr mit solch einer Situation umgeht oder umgehen würdet? Eher entspannt oder doch eher panisch?

Liebe Grüße
Eure Jane

Kommentare

  1. Bei uns ging es aktuell nicht um die Versetzung, sondern um die Einschulung.. der KiGa findet aufgrund einiger Vorkommnisse und Begebenheiten, das sie noch nicht bereit ist.. das sagte man uns im März (Ranzen gekauft, Kind zu 100% auf Schule getrimmt).. wir entschieden uns dennoch für die Einschulung, weil ich ihren Lernwillen sehe.. im Zuge dessen sagte unsere KiÄ, lasst uns nochmal hier testen.. der Test war nun heute und das Kind würde laut ihrer Aussage im KiGa kognitiv eingehen.. sie liegt im guten Durchschnitt und teilweise drüber.. das einzige was sie meinten ist, das sie zuviel im Kopp hat, das raus muss.. sie quatscht in einer Tour.. dafür gibts Ergo.. und wenn es doch alles nicht so klappt, wie wir uns das denken, dann tragen wir sie auch ein zweites Mal durch die erste Klasse (oder spätere).. und was ich meiner Großen schon immer mit auf den Weg gegeben habe ist, das egal was sie angestellt hat sie zu mir kommen kann.

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    1. Hallo Nicola,

      ich habe ich mich gefreut, dass meine Große doch so viel Vertrauen zu uns hat, dass sie mit uns über sowas reden kann.

      Übrigens haben wir unseren Kleinsten unerjährig einschulen lassen (laaange Geschichte, der KiGa wollte uns nicht mehr) - aktuell ist er in der 2. Klasse, die er aber nochmal machen wird. Er hat dann später für die weiterführende Schule auch das richtige Alter. Noch merkt man ihm das jüngersein durchaus an. Unsere Schule trägt das glücklicherweise (auch durch klassenübergreifendes Lernen) mit.

      Liebe Grüße
      Jane

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  2. Ich bin auch für ruhig und überlegt handeln. Im Nachhinein sind einige schlechte Noten oder auch eine Wiederholung nicht so tragisch.
    Doch wenn die Eltern dich nicht verstehen oder deswegen verachten, dann prägt das das gesammte Leben negativ.

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    1. Ganz genau. Ich wollte meiner Tochter diese Ängste und auch diese Prägung ersparen.

      Liebe Grüße
      Jane

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