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Hartz IV - die Schuldenfalle

Hey meine Lieben,

vor ziemlich genau einem Jahr haben wir einen Rückforderungsbescheid über 2.112,54 € vom Jobcenter bekommen. Ich habe damals hier davon berichtet.

Was hat sich seitdem getan?

Wir haben damals zum ersten Mal in unserer "Hart IV-Karriere" eine Rechtsanwältin eingeschaltet. Mittlerweile ist eine Klage beim Sozialgericht anhängig und wir haben beim hiesigen Jobcenter den Stempel "unbequem", was man uns durchaus auch spüren lässt.

Hinzukommt, dass noch drei weitere Rückforderungsbescheide kamen, so dass wir zwischenzeitlich auf eine Forderung in Höhe von ca. 4000,00 € kommen.

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: VIERTAUSEND Euro!

Nach wie vor ist uns natürlich bewusst, dass sich das Jobcenter das zuviel gezahlte Geld zurückholen darf. Die Frage ist nur - auf welche Art und Weise? Die Berechnungsgrundlagen sind dermaßen undurchsichtig und nicht nachvollziehbar, dass es sogar unserer Anwältin schwer fiel, da durchzusteiegen. Und die ist wirklich gut! Das ist letztlich auch der Grund für die Klage. Da steigt man nämlich gar nicht durch und wir finden, dass man das aber verstehen sollte. Außerdem liegen viele Fehler ganz klar beim Jobcenter (ich sag nur: Mehrfach eingereichte Unterlagen, die dann doch in keiner Akte zu finden waren. Anwältin hatte Akteneinsicht!).

Das bittere an der ganzen Sache ist: Diese 4000 € sind durch meinen Job zustande gekommen. Dadurch, dass ich ARBEITEN gehe! Hätte ich meinen Job nicht angenommen, hätten wir keine 4000 € Schulden. Das ist so unglaublich. Dazu kommt ja, dass das Jobcenter IMMER den aktuellen Lohn wusste, da ich brav jeden Monat meine Abrechnungen einreiche. Sie hätten also theoretisch die Möglichkeit gehabt, direkt neu zu berechnen. Ja, mein Lohn war lange jeden Monat anders. Dennoch ist es ziemlich dreist, quasi wissentlich den "Leistungsbezieher" Schulden aufzuhalsen.

Und ganz ehrlich: Es ist ja nicht so, als hätte man vorher unsägliche Reichtümer bekommen. Das Geld war dennoch knapp. Nun ist es eben (wohlgemerkt trotz Arbeit!) noch knapper. Ich arbeite ja mittlerweile feste 30 Stunden pro Woche, mit einem Festgehalt. Das für mich schon ein Erfolg, denn nach 12 Jahren Elternzeit einen Job zu finden, war auch nicht einfach. Das tragische an der ganzen Geschichte ist aber auch: Selbst wenn ich Vollzeit arbeiten würde, wären wir weiterhin auf ALG II angewiesen. Denn Nina findet auch keinen Job. Für 450 € Jobs ist sie Dank Studium überqualifiziert und ansonsten muss man leider ganz klar sagen: Wird sie bei der Jobsuche diskriminiert. Natürlich würde kein Unternehmen das zugeben - aber die meisten bevorzugen tatsächlich die Variante "nicht auf die Bewerbung reagieren".

So, und dann wird man - sobald man erwähnt, dass man ALG II- Bezieher ist direkt als Schmarotzer und dergleichen beschimpft. Trotz Job, trotz Kleinselbstständigkeit, trotzdem man sich den Allerwertesten aufreißt.

Ich habe vorgestern getwittert:




Und ja, es ist so: Selbst für eine 30-40 € Spültischarmatur musst du sparen. Weil es eben nicht anders geht. Weil du lieber Essen für die Familie kaufst. Oder eben ein neues Paar Turnschuhe für eins der Schulkinder.

Und weil der ganze Spaß so lustig ist, schickt das Jobcenter noch Mahnungen wg. der Rückforderungen raus. Obwohl sich alles im Widerspruchs- bzw. Klageverfahren befindet. Das dürfen die eigentlich nicht, aber machen es trotzdem.



Was bleibt? Der permante Gedanke, dass du eben nicht schuldenfrei bist, sondern Dank Jobcenter Schulden an der Backe hast, die locker hätten vermieden werden können. Wir haben unseren Teil dazu getan - das Jobcenter leider nicht.

So, genug ausgekotzt ;-)

Liebste Grüße
Eure Jane

PS: Ich würde lieber ohne Jobcenter auf unserem derzeitgen "Niveau" leben, dafür aber ohne 4000 € Schulden!


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